Eindrucksvolle Demonstration der Kleingärtner

von Eden für Jeden

Rund 350 Kleingärtner hatten sich am Sonnabend (8.Juni) in Hamburg-Nord zu einer Demonstration versammelt, um gegen die Zerstörung von Natur und Kleingärten in Hamburg zu protestieren. Die Demonstranten kamen aus den von der Zerstörung betroffenen Gartenbauvereinen, aber auch aus vielen anderen Stadtteilen in Hamburg. Auf den zahlreichen mitgeführten Transparenten, Plakaten, selbstgemalten Bildern, Bollerwagen und anderen Objekten gaben die Teilnehmer ihrem Unmut und ihrem Zorn über die Politiker im Senat und in Hamburg-Nord Ausdruck, denen man eine Wohnungsbaupolitik auf Kosten der Umwelt und der Natur vorwarf. Wieder einmal sollten die Kleingärtner die Zeche bezahlen. Sie fühlten sich als Opfer von Investoren und „Finanzhaien“. An Härte ließen manche Texte nichts zu wünschen übrig. „Gärten kaputt = Menschen kaputt“ oder „Dieser Senat ist umweltschädlich“ gehörten dazu. Lautstarke Unterstützung gaben Sprechchöre und Instrumente. Der mit viel Phantasie ausgestattete bunte langgestreckte Zug bewegte sich über die Fuhlsbüttler Straße und die Alte Wöhr bis zum Vereinsgelände des GBV „Barmbeker Schweiz“ am Stadtpark, wo auch die Abschlusskundgebung stattfand.


Dort dankte Klaus Laubsch, Vorsitzender des Gartenbauvereins Heimat, den vielen Teilnehmern für ihre Unterstützung. Es gehe bei dieser Demonstration nicht nur um die Erhaltung von zwei fast 100 Jahre alten traditionsreichen Gartenbauvereinen, sondern auch um wichtige Interessen der Stadt Hamburg. Kleingärten im Zentrum der Stadt seien nicht nur für die Menschen lebensnotwendig, sondern sie hätten
auch eine wichtige Funktion für die Umwelt und das Stadtklima. Sie schaffen mit die Luft zum Atmen, die wir alle brauchen. Klaus Laubsch appellierte an Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, die für eine Bebauung vorgesehenen Kleingärten nicht zu zerstören und erinnerte ihn an sein Versprechen anlässlich der Jahresversammlung des Landesbundes der Gartenfreunde, dass er sich während seiner Amtszeit für die
Erhaltung der Kleingärten einsetzen werde. Er, Klaus Laubsch, werde dafür sorgen, dass die Argumente der Kleingärtner auch auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters landeten. Die Bereitstellung von kleineren neuen, aber weniger Parzellen sei keine Lösung. Viele bisherige Vereinsmitglieder wären mit einem totalen Neuanfang finanziell oder aus Altersgründen überfordert. Schließlich dankte Klaus Laubsch der Bürger-Initiative „Eden für Jeden“ für die gelungene Organisation der Demonstration.

Danach schilderte Hilde Dräger als Vertreterin der Bürgerinitiative „Eden für Jeden“ den aktuellen Stand in der Auseinandersetzung zwischen Senat und Bezirksamt Nord einerseits sowie den betroffenen Kleingärtnern auf der anderen Seite. Nachdem die Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht habe, sei dieses vom Bezirksamt Nord nach einer Anweisung der Senatskommission für nicht zulässig erklärt worden. Nachdem auch ein Widerspruch dagegen abgewiesen worden sei, habe die Bürgerinitiative eine Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht, Das Ergebnis müsse man abwarten, In der Zwischenzeit werden weiter Stimmen für das Bürgerbegehren gesammelt.
Die Veranstaltung klang bei Kaffee und Kuchen mit lebhaft geführten Diskussionen unter den Teilnehmern aus.

Wir dokumentieren hier jetzt noch die Rede, die zum Abschluss der Demonstration gehalten wurde. Mehrere Fotos von der Demonstration in Form einer Bildergalerie finden Sie hier.

Liebe Mitdemonstranten, liebe Schrebergärtner, liebe Nachbarn, liebe Naturliebhaber und liebe Freunde,

Ich spreche hier für die Bürgerinitiative EDEN FÜR JEDEN. Wir haben uns vor 2 Jahren gegründet, kurz nachdem wir von den Plänen der Bebauung des Hebebrandquartiers erfahren haben. Pläne, die schon Jahre zuvor hinter unserem Rücken geschmiedet wurden. Wir möchten uns mit dieser kurzen Rede Euch vorstellen und ein paar Fragen zur geplanten Bebauung stellen. Fragen, die Ihr euch vielleicht auch schon gestellt habt.

Was ist mit den Gärten? Unsere Schrebergärten sollen alle weg, alle 330 Parzellen, die ganzen 32 Hektar. Einige glauben, dass doch die Hälfte bleibt, aber es sollen alle platt gemacht werden, die Bäume, die Sträucher, die Lauben und die Häuser der Dauerbewohner. Um dann wieder – auf einem Sechstel der Fläche – neue, nackte Parzellen anzulegen. Parzellen, die erstmal nur aus Erde bestehen. Das ist für uns kein Erhalt von Gärten.

Was ist mit der Natur? 90 Jahre gewachsenes Grün muss weichen. Wir haben hier viele alte und große Bäume und unendlich viel Grün in einem großen, zusammenhängendem Biotopverbund. Die Gärten bieten Unterschlupf und Lebensraum für viele Tiere, u.a. die Haselmaus, die auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten geführt wird, sowie seltene Tierarten wie den Gartenrotschwanz und die Waldohreule. Der Naturschutzbund NABU hat letztes Jahr eine Begehung des Geländes gemacht und uns deren Schutzwürdigkeit bestätigt. Wir kämpfen auch für den Erhalt des Lebensraums der Tiere.

Was ist mit dem Klimaschutz? Die Temperaturen werden in den nächsten Jahren steigen und abkühlende Zonen aus Natur und insbesondere ausgewachsenen Bäumen können der Erhitzung der Stadt entgegenwirken. Nach der Stadtklimatischen Bestandsaufnahme der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt sind die Flächen, die jetzt versiegelt werden sollen, von „hoher bis sehr hoher Bedeutung für das Stadtklima“ und sollen unbedingt erhalten werden. Unversiegelter Boden ist aufgrund der steigenden Starkregen äußerst wichtig. Hamburg versiegelt jährlich annähernd die zweifache Fläche der Außenalster!

Was ist mit den Menschen? Kleingärten haben eine große soziale Bedeutung für Stadtbewohner in Geschosswohnungen, insbesondere für Familien und Kinder. Nicht nur die Pächter tanken in den Gärten auf, sondern auch ihre Familien und Besucher, die vielen Spaziergänger, die Jogger und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit.
Die jetzigen Pächter werden nach Zeitwert entschädigt, was bei älteren Lauben gegen Null tendieren wird. Sollte man sich für einen neuen Kleingarten auf diesem Gebiet entscheiden, geht das nur für diejenigen die über mehere Tausend Euro verfügen. Denn soviel braucht man mindestens für eine neue Laube und einen Stromanschluss. Mal ganz abgesehen von der Bepflanzung. So werden mal wieder die finanziell Schwachen, die „Unerwünschten“ in Hamburg,  außen vor bleiben.

Was ist mit dem Pergolenviertel? 1400 Wohnungen sollen hier gebaut werden. Im Gegensatz dazu stehen in Hamburg weit mehr als 1 Mio. m² Büroraum leer, und es werden weiter Büroräume gebaut. Die SAGA lässt aus spekulativen Gründen massenhaft Wohnungen über Jahre leer stehen. Sozialwohnungen fallen aus der Mietpreisbindung ohne über die Verlängerung der Bindungen nachzudenken. Für die hiesige Bebauung wurde versprochen, aber nicht vertraglich festgelegt, 30% Sozialwohnungen im 1. Förderweg entstehen zu lassen. Viele wissen nicht, dass diese Sozialwohnungen nur eine Bindung von 15 Jahren haben und danach die Mieten steigen. Die Bewohner, die es sich nicht leisten können, müssen dann wieder umziehen. Und deswegen sagen wir: Wohnungsbau Ja, aber nicht zu diesem Preis!

Was ist mit dem Bürgerbegehren? Nachdem das Beteiligungsverfahren uns deutlich machte, dass es hier nicht um Beteiligung geht, sondern um Greenwashing, haben wir im Februar dieses Jahres ein Bürgerbegehren angemeldet. Dieses läuft noch bis Mitte August. Wir wollen damit erreichen, dass die Menschen aus dem Bezirk Nord über das Projekt „Pergolenviertel“ entscheiden können. Das Bezirksamt Nord und der Senat aber versuchen, das Bürgerbegehren und den darauf folgenden Bürgerentscheid in jedem Fall zu verhindern. Eine fragwürdige Anweisung des Senats – indirekt über eine dafür eigens geschaffene Senatskommission – an das Bezirksamt Nord, die Planung zügig voranzutreiben, wurde vom Bezirksamt zum Anlass genommen, am 5. März unser Bürgerbegehren für unzulässig zu erklären. Unser Widerspruch wurde zurückgewiesen, ein Schiedsverfahren kam zu keinem Ergebnis und wir haben nun eine Klage gegen diese Entscheidung und für die Zulässigkeit unseres Bürgerbegehrens vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Deren Ergebnis wird richtungsweisend für die Demokratie und für zukünftige Bürgerbegehren und -entscheide in Hamburg sein.

Liebe Mitdemonstranten – wir bedanken uns ganz herzlich für Eure Solidarität! Wir freuen uns sehr, dass Ihr hier seid, denn das gibt uns Kraft weiter zu kämpfen.

Wir demonstrieren hier auch stellvertretend für alle anderen Schrebergärten der Stadt, denn die Senatorin für Stadtentwicklung Blankau hat angekündigt, dass die Hälfte der Kleingärten der Wachsenden Stadt geopfert werden sollen.

Ihr könnt uns gerne ansprechen und noch mehr über unser Anliegen erfahren. Bedient euch gerne bei Kaffee und Kuchen und habt noch ein schönes Wochenende.

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