Die Abrissbagger sind unterwegs - wie geht es weiter in der „Heimat“ und „Barmbeker Schweiz“?

von Eden für Jeden

Fünf Jahre hat unsere Bürgerinitiative „Eden für Jeden“ für den Erhalt unserer Schre­bergärten gekämpft. Ein 100 Jahre altes Biotop mitten im dicht besiedelten Barmbek! Eine Zeit voller Aktivitäten, Hoffnung und auch vieler Enttäuschungen.  Auch wenn wir die Be­bau­ung und Zerstörung vieler alter Kleingärten voller Leben und Natur nicht verhindern konn­ten, hat sich trotzdem unser Kampf gelohnt und darauf sind wir auch ein wenig stolz: Denn von der 35 ha großen Gesamtfläche, die für den Wohnungsbau vorgesehen waren, sollen 7 ha für die Schrebergärten erhalten bleiben. Hätten wir nicht gekämpft, so wäre die gesamte Fläche dem Abrissbagger zum Opfer gefallen und bebaut worden. Und das wäre nicht nur für uns extrem schmerzhaft, sondern vor allen Dingen auch für den Klimaschutz sehr schlecht gewesen. Außerdem haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass auf den erhaltenen Flächen (den sogenannten „Obstkisten“) die bestehenden Gärten und viele Lauben nicht einfach platt gemacht und neu angelegt werden, sondern im Wesentlichen stehen bleiben.

Allerdings wird auf diesen Flächen verdichtet, d. h. wo jetzt 44 Gärten stehen, werden in Zukunft ca. 111 Gärten Platz finden müssen. Die Durchschnittsgröße wird bei ca. 300 m² liegen und in einer Spanne von 242 bis 367 m² liegen.

 Geplant ist die Bebauung des Gebietes unter dem Namen „Pergolenviertel“ in zwei Bau­ab­schnitten. Der erste Bauabschnitt beginnt auf dem Gebiet der Gartenkolonie „Heimat“ im Nor­den. Der zweite folgt ein Jahr später auf dem Gelände der „Barmbeker Schweiz“. Also noch ein Jahr Aufschub für die „Schweizer“ – noch einen Sommer lang ein kleines Gartenglück.

Im Herbst 2015 war es dann so weit, 150 Gartenfreunden der „Heimat“ wurde zum 30.11.2015 gekündigt. Das Gebiet musste geräumt werden! Riesige Container (trotzdem viel zu klein) für Spermüll wurden aufgestellt. Alles musste raus aus den Häusern, nichts durfte drinnen bleiben. „Be­sen­rein“ hieß das Zauberwort. Sonst drohten Abzüge bei der Entschädigung  (und wer kann sich das schon leisten). Wohin mit Geräten und Werkzeug, wohin mit den geliebten Pflanzen?

Viele Pächter - auch auf den erhaltenen Flächen - haben ihren Garten aufgegeben, weil sie zu Recht chaotische Zeiten während des Neubeginns fürchteten oder aus Altersgründen keinen Neuanfang mehr wagten.

Wer seinen Garten im Baugebiet aufgeben musste und das Glück hatte, eine Parzelle in den „Obstkisten“ zu ergattern, musste nun den Umzug organisieren. Vieles musste hin- und hergeschleppt werden, einige  Pflanzen konnten direkt umgepflanzt werden. Ob sie den Umzug überstehen werden, wird die Zukunft zeigen.

Kaum hatte man alle Möbel, Werkzeuge und andere Dinge verstaut, begann die große Ein­bruchserie innerhalb der Obstkisten, dort, wo alte und neue Pächter sich gerade wieder eingerichtet hatten. Mehrmals, manchmal bis zu fünfmal, wurde in den Lauben alles gestohlen, was nur irgendeinen Wert hatte. Am Schluss wurden dann auch noch die Regentonnen und Kompostgitter mitgenommen und Sonnenschirmständer ausgegraben. Auch vor Pflanzen, die gerade umgepflanzt worden waren, machten die Diebe nicht halt, gruben sie wieder aus und nahmen sie mit.

Das zu bebauende Gebiet ist jetzt eingezäunt und bietet einen trostlosen Anblick. Lauben mit abgerissenen Dächern, vom Bagger eingedrückt, entwurzelte Bäume, heraus gerissene Pflanzen. Tiefe Furchen von Baggern durchziehen die verlassenen, geschundenen Gärten. Und plötzlich sieht man das strahlende Gelb einer Forsythie, die stehen blieb, oder eine blühende Winterheide. Besser, man schaut nicht hin – es schmerzt sonst heftig.

Stattdessen muss man sich einrichten in den neuen, nun viel kleineren Gärten und trotzdem hoffen, dass der eine oder andere schöne wertvolle Baum doch erhalten bleiben kann. Für die Bäume nun kämpfen wir weiter, auch wenn wir unser 100jähriges Biotop nicht retten konnten. Dabei denke ich nicht an die hohen alten Fichten, die könnte man vielleicht durch für die Vögel und Bienen wertvollere andere Bäume ersetzen. Aber das ist natürlich nur meine Meinung.

Inzwischen wurden in beiden Vereinen neue Vorstände gewählt, auf sie kommt nun sehr viel Arbeit zu. Allein den Vorstand eines Kleingartenvereins neu zu übernehmen, ist schon in normalen Zeiten eine riesige Aufgabe. Aber in dieser völlig unübersichtlichen Situation gehört schon sehr viel Wagemut dazu. Zurzeit gibt es in der „Heimat“ kein Vereinshaus, der Strom ist abgeschaltet und Wasser ist nur an einer  Zapfstelle zu holen.

Der Teilungs-/Verdichtungsplan ist am Donnerstag, 14.4.2016 mit dem Bezirk Nord, dem Landesbund der Gartenfreunde und dem Vereinsvorstand festgelegt worden. Sobald die letzten Änderungen vom Planungsbüro in den Plan eingetragen sind, erhält ihn der Vorstand als Datei und verteilt Ausdrucke an die Pächter und Interessenten.

Es ist also die Zeit eines großen Umbruchs und die verbleibenden Pächter müssen nun den neuen Vorstand der „Heimat“ solidarisch unterstützen und auch Hilfestellung leisten.

In Zukunft werden die verbleibenden Gärten der „Heimat“ und ein Teil der „Barmbeker Schweiz“ zu einem Verein unter dem alten Namen „Heimat“ zusammengelegt werden. Die andere Hälfte der „Barmbeker Schweiz“ siedelt als eigenständiger Verein ab diesem Jahr auf das Gelände des ehemaligen Anzuchtgartens am Stadtpark um. Es wird also noch viele Veränderungen, viel Arbeit und Geduld geben müssen, bis wir wieder mit Freude unsere Gärten genießen können. 

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